Wissenschaftlich sauber transkribieren - so geht's

Studierende werden im Rahmen ihrer Bachelor- oder ihrer Masterarbeit oft damit konfrontiert, Mündliches in Schriftform überführen zu müssen. Bei der Erstellung einer solchen Niederschrift, die auch als Transkript bezeichnet wird, gibt es einiges zu beachten. Die entsprechenden Formalitäten sind in den sogenannten Transkriptionsregeln festgelegt.

Es gibt dabei allerdings unterschiedliche Methoden, auf welche Art und Weise das gesprochene Wort transkribiert werden kann. Für welche Methode der Transkription sich der Transkribierende entscheidet, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Was bei der Transkription beachtet werden muss und worauf es ankommt, zeigt der folgende Beitrag.

Die Transkriptionsregeln – Was wird darunter verstanden?

Wissenschaftlich sauber transkribieren - so geht's

Die wissenschaftlich festgelegten Standards, durch die vorgegeben wird, wie das gesprochene Wort korrekt verschriftlich wird, nennen sich Transkriptionsregeln. Oft müssen diese bei Dissertationen oder empirischen Bachelor- und Masterarbeiten angewendet werden.

Abhängig von der jeweiligen Forschung, eignen sich die unterschiedlichen Transkriptionssysteme besser oder weniger gut.

Der grundsätzliche Unterschied: Wörtlich oder lautsprachlich?

Bevor es an die eigentliche Transkription geht, muss entschieden werden, ob eine lautsprachliche oder eine wörtliche Transkription vorgenommen werden soll. Eine wörtliche Transkription bedeutet, dass die Audioaufzeichnung gut lesbar und möglichst vereinfacht verschriftlicht wird.

Beispielsweise werden etwaige Dialekte in das Hochdeutsche überführt, Lückenfüller und Wortdoppelungen ausgelassen und eine sinngemäße Interpunktion vorgenommen. Hier stehen die Inhalte im Vordergrund.

Im Gegensatz dazu werden alle sprachlichen Auffälligkeiten und Besonderheiten bei der lautsprachlichen Transkription berücksichtigt. Dies umfasst auch die Länge der Pausen im Gespräch, Betonungen oder Tonlagen. Somit spielen dabei auch die sprachlichen Auffälligkeiten eine wichtige Rolle.

Über diese beiden Möglichkeiten hinaus gibt es auch noch weitere Transkriptionssysteme, die eine Art von Mischformen darstellen. Dadurch können genau die Transkriptionsregeln angewendet werden, die zu der jeweiligen Forschung am besten passen.

Die zeitintensivere und aufwändigere Methode ist unbestritten die lautsprachliche Transkription. Geeignet ist diese für Forschungen, die sich mit den latenten Strukturen, die hinter den sprachlichen Äußerungen stehen, befassen. Der Inhalt dessen, was mündlich gesprochen wurde, steht bei der einfachen Transkription im Vordergrund.

Unterschiedliche Transkriptionssysteme

Es gibt verschiedene Transkriptionssysteme, nach denen Sprachaufnahmen verschriftlicht werden. Die einfachsten markieren die SprecherInnen und geben die Zeitmarken der Aufnahme an, damit man jederzeit nachhören kann, ob etwas wirklich so gesagt wurde, wie es zitiert wird.

Andere Systeme haben spezielle Zeichen für Sprechpausen, Unterbrechungen, markieren Husten, Lachen, Versprecher, Ähs oder Wiederholungen.

Generell kann zwischen folgenden Systemen unterschieden werden:

  • Einfaches Transkriptionssystem: Regionale Aussprache wird ins Standarddeutsch übertragen, ...
  • Erweitertes Transkriptionssystem (TiQ): Alles wird so abgetippt, wie es gesagt wurde, auch Verständnisäußerungen, Füllwörter und Ähnliches ...
  • Gesprächsanalytisches Transkriptionssystem (GAT): System, das leichter zu lesen ist, aber Wortwechsel und Unterbrechungen visualisiert ...

Mehr zu den Details dieser Klassifizierung im Methodenportal der Universität Leipzig zum Thema Transkription.

Wozu sind Transkriptionsregeln nötig?

Viele Studierende stellen sich die Frage, warum sie sich die aufwendige Arbeit des Transkribierens eigentlich machen und ob wirklich alle Transkriptionsregeln streng befolgt werden müssen. Die Antwort auf diese Frage liegt immer darin, welche Art der wissenschaftlichen Arbeit angefertigt wird.

Diejenigen, die lediglich eine Hausarbeit oder ihre Bachelorarbeit verfassen, können sich zum Beispiel auch mit ihrem jeweiligen Dozenten darauf einigen, dass nur ein kurzer Gesprächsausschnitt fachmännisch transkribiert wird. So fällt wesentlich weniger Aufwand und Arbeit an, dem Dozenten wird aber dennoch vermittelt, dass die Regeln der Transkription beherrscht werden.

Generell kann allerdings nicht darauf verzichtet werden, Gesprochenes zu transkribieren, wenn das Gesagte wissenschaftlich ausgewertet werden soll. Da bei diesem Prozess wissenschaftliche Standards angelegt werden, muss die Transkription auch festen Regeln folgen.

Daten, die verschriftlicht werden, können nämlich erst dann umfassend analysiert und miteinander verglichen werden.

Darüber hinaus ist es für die Zitation und die Verbreitung der Ergebnisse der Forschung am sinnvollsten, wenn diese vollständig in schriftlicher Form vorliegt. Die gesprochene Sprache enthält viele Aspekte, die erst durch das Niederschreiben wirklich erkennbar werden.

Ein Transkript macht daher bestimmte Prozesse und Strukturen erst sichtbar, wodurch es eine wichtige Aufgabe erfüllt.

Umgang mit grammatikalischen und sprachlichen Besonderheiten

Grammatikalische oder andere sprachliche Besonderheiten sowie Einschübe wie „mhm“, „äh“
werden dann mit erfasst, wenn sie für das Interview von Bedeutung sein könnten (z.B. Stockungen,
Versprecher…), so die Regeln zur Transkription qualitativer Interviews des Instituts für Kulturanthropologie und Europäische Ethnologie der Universität Graz, Österreich.

Wiederholte oder abgebrochene Wörter und Sätze werden auf jeden Fall notiert.

Die Wiedergabe von Dialekt und Umgangssprache richtet sich nach dem Forschungsinteresse. Als
Faustregel gilt: keine phonetische Umschrift, sondern eine gemäßigte hochsprachliche Angleichung
von Sprache und Interpunktion.

Satzbau und Wortfolge werden beibehalten, ebenso Dialektwörter, die ein besonderes Kolorit besitzen und evtl. schwer übersetzbar sind (z.B. „ist“ statt „is“, „so ein Buch“ statt „so‘n Buch“, „Stiege“ statt „Schdiang“ – aber nicht: „Treppe“).

Für die Auswertung des Interviews empfiehlt es sich außerdem, eine Zusammenfassung oder auch
eine stichwortartige Kurzfassung des Interviews anzufertigen.

Eine übersichtliche Vorlage dazu liefert ebenfalls die Karl-Franzens-Universität Graz:

Wissenschaftlich sauber transkribieren Vorlage - so gehts

Experteninterview durchführen, transkribieren und auswerten (Mit Muster-Leitfaden)

Im nachfolgenden Video sehen Sie anschaulich in 4 einfachen Schritten, wie beispielsweise Studenten oder Doktoranden ein Experteninterview vorbereiten (1), durchführen (2), transkribieren (3) und auswerten (4) können.

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